Jahresbericht 2011

erstellt von Christian Weber zuletzt verändert: 13.01.2012 00:17

Jahresbericht 2011 der Notfallseelsorge Kanton Zürich

Seit der Gründung am 1. November 2005 entwickelt sich die NFSZH nahezu in allen Bereichen laufend weiter.

Zu nennen ist an erster Stelle die Ausbildung. In Zusammenarbeit mit dem Care Team Bern besuchten Zürcher NFS in Bern die Grundausbildung in Notfallseelsorge. Am 22. März 2011 wurden erstmals neun Notfallseelsorgerinnen und –seelsorger beider Konfessionen nach NNPN-Norm (Nationales Netz Psychologische Nothilfe) als Fachpersonen zertifiziert. Die Feier fand in der Predigerkirche statt. Das Zertifikat ist für vier Jahre gültig. Nach Ablauf dieser Frist ist eine Rezertifizierung nötig. Im Berichtsjahr startete ein weiteres Duzend Zürcher NFS zur Basisausbildung.

Nach Verhandlungen mit der Leitung des Care Teams Bern wird die NFSZH ihre neuen Mitglieder ab 2013 direkt beim NNPN zertifizieren lassen, die Basisausbildung (insgesamt 110 Stunden) aber weiterhin beim Care Team Bern belassen. Die Praktika bei Sanität und Polizei (insgesamt 50 Stunden), sowie die Einführungstage bei Sanität, Polizei, Feuerwehr und im Institut für Rechtsmedizin finden im Kanton Zürich statt. Zwar besteht von der NFSZH das Obligatorium für alle neuen NFS, die Berner Ausbildung zu besuchen, hingegen verzichteten die Zürcher Kirchen bisher auf ein Zertifizierungsobligatorium.

Die Möglichkeit, die Zürcher NFS das Praktikum bei Polizeien und Santätsdiensten absolvieren zu lassen, ist bei den Partnerorganisationen auf sehr positives Echo gestossen. Das gegenseitige Vertrauen und der Zuwachs an Kompetenz bringen für den Kontakt der NFSZH mit den Partnerorganisationen viel und wirken sich positiv im koordinierten Arbeiten für die von einer aussergewöhnlichen Situation betroffenen Menschen aus.
   
Eine Neuerung ist auch in der Zusammenarbeit der Kirchen in Bezug auf die NFSZH zu verzeichnen: Seit Anfang 2011 beteiligt sich die katholische Kirche hälftig an den Sachkosten der NFSZH, der Vertreter des Generalvikariats hat zusammen mit dem Leiter von Diakonie und Seelsorge und dem operativen Leiter der NFSZH Einsitz in die Gesamtleitung NFSZH genommen. Die operative Gesamtleitung der NFSZH verbleibt in den Händen der reformierten Landeskirche.

Zu berichten ist auch über die Mitwirkung der NFSZH in zwei Projektgruppen zum Aufbau einer Care Organisation des Kantons Zürich. Auf Einladung der Kantonspolizei und im Auftrag der zuständigen Regierungsämter arbeiteten Vertreter der Partnerorganisationen zusammen mit der NFSZH ein Grobkonzept für die Organisation im Grossereignis-und Katastrophenfall aus. Die NFSZH ist darin als grösste Care- Anbieterin vertreten. Sie wird auch weiterhin vom „Alltagsgeschäft“ bis zum Aufwuchs zu Katastrophenfällen als die Partnerin der Blaulichtorganisationen beansprucht werden. Nach dem Entscheid der Regierungsämter, die Care Organisation bei den Führungsstrukturen des Flughafens anzusiedeln, wird es nun an die Umsetzung des Projekts gehen. Die NFSZH wird wie ihre kantonalen Partner in diese Strukturen eingebaut. Das Funktionieren der Care Organisation setzt Ausbildung und Beübung voraus. Die NFSZH nimmt in Absprache mit den Partnern Anpassungen vor (z.B. Alarmierungsvorgaben, Schaffung von Teamleitern als Führungspersonen der NFS und als Ansprechspersonen für die Blaulichtorganisationen vor Ort).

Zu reden gab von Anfang an die Struktur der NFSZH. Das Gebiet der NFSZH ist in 7 Regionen aufgeteilt. In jedem der 7 Teams sind nach Plan NFS während 24 Stunden an 365 Tagen auf Pikett. Dazu braucht es einen kantonalen Gesamtetat von ca. 150 NFS. Diese Zahl zu halten, ist nicht ganz so einfach. Deshalb gehen die Überlegungen in Richtung massvolle Verkleinerung der Anzahl der NFS und gleichzeitig Vergrösserung der NFSZH-Regionen.
Auch das ursprüngliche Obligatorium für alle Pfarrpersonen, in der NFSZH mitzuwirken, ist ständig Objekt der Kritik. Der Versuch, das Obligatorium so umzudeuten, dass die aktiven NFS durch Nicht-NFS-Dienstleistende entlastet werden sollen, vermag das Problem nur unbefriedigend zu lösen. Hier muss in Zukunft wohl ein anderer Weg beschritten werden. Dabei geht es um Anerkennung derjenigen, die sich in vorbildlicher und qualifizierter Weise in der NFSZH einsetzen.
Im Berichtsjahr ist die Anzahl der Einsätze wieder um gut 10 Prozent gestiegen. Bei den meisten Fällen handelte es sich aussergewöhnliche Todesfälle, darunter 26 Suizide. Einige der komplexen Einsätze forderten die NFS stark. Zunehmend wird die NFSZH auch für andere Notfälle zugezogen (in der Statistik unter A), so v.a. bei Unfällen ohne Todesfolge und Beratungen nach traumatogenen Erlebnissen. Dabei spielt der Bekanntheitsgrad der NFSZH, ihrer Vertreterinnen und Vertreter, eine nicht unwichtige Rolle.

Nach wie vor steht die NFSZH für alle von Notfällen betroffenen Menschen bereit, unabhängig von deren religiöser, weltanschaulicher
Ausrichtung oder ethnischer Herkunft.

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